Berichts- und Lernsystem für Zahnarztpraxen

Beispielbericht

"Rechtzeitige Prothesenunterfütterung verhindert Schädigung von Pfeilerzähnen"

Was ist passiert?

Ein 75 jähriger Patient mit anteriorer Restbezahnung im Unterkiefer (s. Zahnschema) war mit einer Teleskopprothese auf den Pfeilerzähnen 33 und 43 versorgt worden. Zahn 43 war endodontisch vorbehandelt und mit gegossenem Stift- Stumpfaufbau therapiert. Die abnehmbare Teilprothese war als Modellgussgerüst gestaltet. Nach einer Tragezeit von 3 Jahren (der Patient hatte sich zwischenzeitlich nicht wieder in der Praxis vorgestellt) meldete er sich wegen einer Druckstelle im medial- sublingualen Bereich. Zwei Wochen später stellte er sich als Notfallpatient vor, weil "der Teleskopzahn im rechten Unterkiefer abgebrochen und die Prothese stark beweglich sei".

Was war das Ergebnis?

Stark abgesunkene Prothesensättel, Prothesensattel rechts auch horizontal leicht beweglich. Teleskoppfeiler 43 in Höhe des Gingiva- Randes frakturiert. Das Innenteleskop mit frakturiertem Stiftaufbau steckt fest im Außenteleskop (Bilder 1 und 2).
Es besteht aktueller Behandlungsbedarf zur möglichen Erhaltung der Wurzel 43 und Stabilisierung der Prothese.

Mögliche Gründe

1. Unterdimensionierung des Aufbaus im Bereich des Kanaleinganges, fehlende Umfassung des Wurzelstumpfes durch den zervikalen Rand des Aufbaus (kein "Fassreifen- Effekt").
2. Die zu geringe Extension des Prothesensattels nach distal und die antagonistische Bezahnung bis 18 und 27 bewirkten eine starke Kippbeanspruchung des Prothesensattels. Verstärkte Resorption des Prothesenlagers und Absinken des Prothesensattels waren die Folge. Das zunehmende Kippmoment wurde durch das starre Modellgussgerüst auf die Pfeiler übertragen.

Wie hätte man das Ereignis verhindern können?

Bei der prothetischen Versorgung:
- günstigere Präparation von Stiftbett und Wurzeloberfläche
- funktionelle Extension der Prothesensättel
- Zahnaufstellung nur bis 36 und 46 (wenn 37 und 47 gewünscht, außer Kontakt stellen).

Durch Nachsorge:
Bei jährlichen Nachkontrollen Sattelkinematik unter Okklusionsbelastung prüfen.
Abgesunkene Prothesensättel unterfüttern.

Welche Faktoren trugen zu dem Geschehen bei?

Ausschlaggebend für den beschriebenen Fall ist die nur beschwerdenorientierte Inanspruchnahme zahnärztlicher Dienste durch den Patienten.

Beispiel Bild 1 Beispiel Bild 2

Beispielhafte Kommentare

Kollege A Ist mir leider auch schon passiert! Ich befestige keine Einzelteleskope mehr auf avitale Pfeiler.
Kollege B Mir stellt sich auch die Frage, ob die Indikation mit nur einem avitalen Pfeiler als Teleskop auf einer Seite überschritten wurde. Ich schlage in solchen Fällen eine Pfeilervermehrung, auch mit Implantaten vor.
Kollege C Regelmäßige Nachsorge kann solche Misserfolge verhindern.
Es passiert auch mit vitalen Pfeilern, wenn die Kippbelastung zu groß wird.
Bewährt hat sich, wenn bei jährlichen Nachkontrollen die Sattelkinematik unter Okklusionsbelastung (Zwischenlage von 1mm starker Zinnfolie) geprüft wird. Abgesunkene Prothesensättel sollten rechtzeitig unterfüttert werden - am besten mit einer Belastungsabformung mit hochviskösem Material.
Kollege D Patienten müssen aber auch jährlich zur Kontrolle kommen bzw. kommen können. Gerade immobile Senioren und pflegebedürftige Patienten müssen dazu regelmäßig aufgesucht werden.
Kollege A Was macht man nun in diesem konkreten Fall?
Kollege D Man könnte versuchen, das Stiftfragment aus dem Wurzelkanal zu entfernen. Wenn es gelingt - dann mit Glasfaser- bzw. Carbonfaserstift und adhäsivem Aufbau unter dem vorhandenen Primäranker den alten Zustand wieder herstellen.
Kollege B Eine nochmalige Aufbereitung der Wurzel, d.h. zu versuchen, den Stift zu entfernen, ist zu komplikativ. Ich würde die Wurzel entfernen und ein Implantat setzen. Mit Kugelanker oder Locator wäre eine Einarbeitung in die Prothese möglich.

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